Gestern hat dein Baby noch begeistert Brokkoli abgenagt, heute dreht es bei jedem Stück den Kopf weg und weint. Kommt gerade ein Zahn, ist das oft der Grund. Die Phase geht vorbei, und mit ein paar Anpassungen am Teller wird sie für alle leichter.
Warum Zahnen das Essen erschwert
Während ein Zahn durchbricht, ist das Zahnfleisch an dieser Stelle gereizt und druckempfindlich. Genau dort drückt beim Kauen ein festes Stück Möhre oder ein Löffel. Manche Babys verweigern deshalb für ein paar Tage fast alles. Andere kauen ständig auf Fingern, Löffeln und Essen herum, schlucken aber kaum etwas. Beides ist eine normale Reaktion auf den Druck im Kiefer und kein Zeichen, dass dein Kind die Lust am Essen verloren hat.
Was in dieser Phase leichter fällt
Kälte tut gereiztem Zahnfleisch gut. Ein Streifen Gurke aus dem Kühlschrank, ein Stück gekühlte Wassermelone oder ein paar Löffel kalter Naturjoghurt werden oft besser angenommen als ein warmes Essen. Gekühlt heißt dabei nicht gefroren, denn tiefgekühlte Stücke sind zu hart und können das Zahnfleisch reizen. Hilfreich sind auch Lebensmittel, die kaum Kaudruck brauchen, etwa reife Banane, Avocado oder weich gegarte Süßkartoffel. Auf Fingerfood musst du dafür nicht verzichten. Die Stücke dürfen nur weicher sein als sonst.
Gekühlt heißt nicht gefroren. Tiefgekühlte Stücke sind zu hart für gereiztes Zahnfleisch.
Wann du dir keine Sorgen machen musst
Isst dein Baby während eines Zahnschubs ein paar Tage deutlich weniger, holt es das meist von selbst auf, sobald der Zahn durch ist. Im ersten Lebensjahr bleibt Milch ohnehin die wichtigste Nährstoffquelle. Ein paar magere Tage bei der Beikost wirken sich deshalb nicht direkt auf die Versorgung aus. Wie viel Milch neben der Beikost normal ist, steht im Artikel Wie viel Milch braucht mein Baby?.
Wann es mehr als nur die Zähne sein könnte
Zahnen erklärt vieles, aber nicht alles. Hohes Fieber über 39 Grad kommt nach kinderärztlicher Einschätzung nicht vom Zahnen. Auch Durchfall, starke Unruhe oder eine Essverweigerung, die länger als eine Woche anhält, gehören in die Kinderarztpraxis. PD Dr. Margarete Bolten behandelt seit mehr als 15 Jahren Kinder mit Fütterstörungen. Sie rät, bei anhaltenden Problemen nicht vorschnell eine harmlose Erklärung anzunehmen:
Antwort von PD Dr. Margarete Bolten
Hinter einer vermeintlichen „Essensverweigerung“ kann eine körperliche Ursache stehen. Deshalb sollte bei ausgeprägten oder zunehmenden Problemen nicht vorschnell von „Picky Eating“ oder einem Verhaltensproblem ausgegangen werden.
Quelle: Wenn dein Baby nicht essen will
Das gilt auch für das Zahnen. Es ist eine gute Erklärung für ein paar schwierige Tage, aber keine für wochenlange Probleme.
- Das Zitat stammt wortgetreu aus der schriftlichen Auskunft von PD Dr. rer. nat. Margarete Bolten an die Redaktion von baby-led-weaning.de, erschienen im Beitrag Wenn dein Baby nicht essen will.
- BZgA, kindergesundheit-info.de.
- Netzwerk Gesund ins Leben / Bundeszentrum für Ernährung.
Stand: September 2026. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.





