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BLW mit Nahrungsmittelallergie

Wenn die Allergie schon feststeht, wird der Familientisch zur Planungsaufgabe. Eine Ernährungsfachkraft für Allergologie beantwortet drei Fragen.

BLW mit Nahrungsmittelallergie

Auch mit Allergie kann ein Baby am Familientisch mitessen.

Eine Familie hat uns geschrieben: „Unser Sohn verträgt kein Ei. Wie soll er mit uns am Tisch essen, ohne dass ständig etwas schiefgeht?“

Über Allergieprävention wird viel geschrieben. Was seltener zur Sprache kommt, ist der Fall danach. Wenn bei deinem Kind bereits eine Nahrungsmittelallergie festgestellt wurde, stellt sich eine sehr praktische Frage: Wie soll ein Baby selbstständig am Familientisch essen, wenn dort etwas liegt, das es nicht verträgt? Beim Baby-led Weaning greift dein Baby selbst nach dem Essen. Genau das macht die Methode aus. Es bedeutet aber auch, dass die Kontrolle darüber, was auf dem Teller landet, nicht mehr allein bei dir liegt. Wir haben Svenja Schweizer gefragt, Diplom-Ökotrophologin mit dem Zertifikat E-Zert Ernährungstherapie und Ernährungsfachkraft Allergologie (DAAB). Sie kennt damit beide Seiten, die Ernährungstherapie und die Allergologie.

Wie du das häufigste Allergen sicher in die Beikost einführst, erfährst du unter Ei für Babys.

Ist breifreie Beikost bei einem Kind mit bekannter Allergie überhaupt praktikabel?

Ja, aber sie muss gut geplant werden. Wenn eine Lebensmittelallergie vorliegt, sollte die Familie zunächst grundsätzlich gut geschult sein. Das betrifft die sichere Zubereitung von Mahlzeiten ohne das relevante Allergen, die Vermeidung von Kontaminationen und die richtige Lebensmittelauswahl mit Blick auf eine ausreichende Nährstoffversorgung. Das bestimmt, was für das Kind erreichbar sein darf.

Wenn eine Lebensmittelallergie vorliegt, sollte die Familie zunächst grundsätzlich gut geschult sein.

Ist diese Grundlage da, lässt sich der Alltag am Tisch gut organisieren.

Wie lässt sich ein gemeinsames Familienessen organisieren?

Das hängt von zwei Dingen ab. Zum einen von der Schwere der zu erwartenden allergischen Reaktion, zum anderen vom Alter der Geschwisterkinder. Jüngere Kinder verstehen oft noch nicht, warum sie ihr Essen nicht teilen dürfen. Dann kann es sinnvoll sein, das relevante Allergen bei den gemeinsamen Mahlzeiten grundsätzlich zu meiden. Das gilt besonders, wenn mit anaphylaktischen Reaktionen zu rechnen ist. Sinnvoll ist hier die Unterstützung durch eine allergologisch geschulte Fachkraft. Sie hilft, Unsicherheiten zu vermeiden und damit auch Einschränkungen, die zum Teil unnötig stark ausfallen.

Worauf sollten Eltern achten, wenn Geschwisterkinder am Tisch andere Dinge essen?

Bei bekanntem Anaphylaxierisiko müssen die Notfallmedikamente immer greifbar sein, und die Familie muss in ihrer Anwendung geschult sein. Das ist die Grundlage. Bei älteren Geschwisterkindern muss es klare Regeln geben. Jeder isst nur das, was sich auf seinem eigenen Teller befindet. Teller, Gläser und Besteck werden ebenfalls nicht getauscht, geteilt oder weitergegeben.

Jeder isst nur das, was sich auf seinem eigenen Teller befindet.

Dabei liegt es in der Verantwortung der Eltern einzuschätzen, inwieweit Geschwisterkinder in der Lage sind, diese Regeln einzuhalten. Nur dann kann das allergische Kind gefahrlos mitessen.

Wo du eine allergologisch geschulte Fachkraft findest

Frau Schweizer weist auf einen Punkt hin, der uns wichtig erscheint. Diese Begleitung musst du nicht allein organisieren, und du musst sie auch nicht in der nächsten Großstadt suchen. Es gibt zwei Verzeichnisse, über die du eine Fachkraft in deiner Nähe findest.

Das erste ist E-Zert, die Plattform für qualifizierte Ernährungstherapie und Ernährungsberatung. Dahinter stehen die Berufsverbände der Ernährungsfachkräfte. Über die Expertensuche findest du Fachkräfte mit anerkannter Zertifizierung. Das zweite ist der Allergie-Wegweiser des Deutschen Allergie- und Asthmabundes. Dort sind gezielt Ernährungsfachkräfte gelistet, die zusätzlich allergologisch geschult sind.

Was die Beratung kostet

Eine ernährungstherapeutische Begleitung ist bei einer Nahrungsmittelallergie keine Leistung, die dir der Kinderarzt einfach auf ein Rezept schreibt. Sie ist eine Kann-Leistung nach Paragraf 43 des Sozialgesetzbuchs V. Das heißt: Die Krankenkasse darf sich an den Kosten beteiligen, sie muss es aber nicht. Der Weg dorthin ist trotzdem unkompliziert. Die Ärztin oder der Arzt stellt formlos eine Notwendigkeitsbescheinigung aus. Damit fragst du bei deiner Krankenkasse nach, wie hoch der Zuschuss ausfällt. Die Höhe ist von Kasse zu Kasse verschieden. Die Nachfrage lohnt sich deshalb vor dem ersten Termin. Als Heilmittel auf Rezept verordnungsfähig ist Ernährungstherapie nur bei seltenen angeborenen Stoffwechselerkrankungen und bei Mukoviszidose.

Was wir mitnehmen

Eine festgestellte Nahrungsmittelallergie schließt Baby-led Weaning nicht aus. Sie verschiebt den Aufwand nach vorne. Bevor dein Baby zum ersten Mal selbst nach dem Essen greift, muss klar sein, was auf dem Tisch steht, wie es zubereitet wurde und wer am Tisch welche Regeln kennt. Wie du allergene Lebensmittel überhaupt in die Beikost einführst, solange noch keine Allergie bekannt ist, liest du in unserem Beitrag zu den Allergenen in der Beikost.

Quellen

  1. Die Antworten auf die drei Fragen stammen aus der schriftlichen Auskunft von Svenja Schweizer an die Redaktion von baby-led-weaning.de.
  2. Die Angaben zur Kostenbeteiligung folgen den Hinweisen des Verbands der Diätassistenten (VDD) zur Verordnung von Ernährungstherapie.

Stand: August 2026. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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Redaktion Baby-led-weaning.de
Svenja Schweizer
Antworten von Svenja Schweizer
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