Die Flasche im Bett beruhigt, macht satt und führt zuverlässig in den Schlaf. Sie ist zugleich die häufigste Ursache für Karies an den Milchzähnen, auch Fläschchenkaries oder Nursing-Bottle-Syndrome genannt. Der Schaden entsteht genau dann, wenn niemand hinsieht.
Was beim Dauernuckeln passiert
Beim Nuckeln liegt der Sauger direkt an den oberen Schneidezähnen. Die Flüssigkeit sammelt sich dort und umspült die Zähne über lange Zeit. Im Schlaf kommt erschwerend hinzu, dass der Speichelfluss nachlässt. Die natürliche Spülung des Mundes fällt also gerade dann weg, wenn sie am nötigsten wäre.
Das Ergebnis sieht typischerweise gleich aus: Die oberen Schneidezähne werden zuerst befällt. Die unteren bleiben länger verschont, weil die Zunge sie beim Saugen bedeckt.
Der Verlauf zeigt sich in Stufen, die du selbst erkennen kannst. Zuerst erscheinen matte, weiße Flecken direkt am Zahnfleischrand, das erste Zeichen dafür, dass der Zahnschmelz Mineralien verliert. Bleibt das unbemerkt, verfärben sich diese Stellen gelblich bis braun, bevor tatsächliche Löcher entstehen. Weiße Flecken sind also der Moment, in dem sich gegensteuern noch am leichtesten lässt.
Stark zerstörte Milchzähne sind mehr als ein kosmetisches Problem. Sie halten den Platz für die bleibenden Zähne frei, und ein früher Verlust kann die spätere Zahnstellung durcheinanderbringen. Zerstörte Schneidezähne erschweren außerdem das Bilden bestimmter Laute, etwa des S, was sich auf die Sprachentwicklung auswirken kann.
Nicht nur Saft ist das Problem
Am schnellsten geht es mit gezuckerten Getränken, Saft oder Instant-Tee. Aber auch Milch enthält Milchzucker. Selbst stark verdünnte Fruchtsaftschorle zählt dazu, der natürliche Fruchtzucker darin schadet den Zähnen genauso wie zugesetzter Zucker. Entscheidend ist weniger, was in der Flasche ist, sondern wie lange es an den Zähnen bleibt.
Antwort von Prof. Dr. Ulrich Schiffner
Bei häufigen Kontakten der Kinderzähne mit zuckerhaltigen Getränken oder Nahrungsmitteln ist das Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta besonders wichtig. Das trifft auch zu, wenn das Kleinkind über längere Phasen gestillt wird.
Entscheidend ist weniger, was in der Flasche ist, sondern wie lange es an den Zähnen bleibt.
Genau deshalb ist das Dauernuckeln das eigentliche Problem, nicht der Inhalt der Flasche.
Dahinter steht oft die Hoffnung, das Kind schlafe mit Flasche besser durch. Christina Hahnewald, Diplom-Ökotrophologin, ordnet das nüchtern ein:
Auskunft von Christina Hahnewald
Dass ein Baby nachts aufwacht, ist völlig normal. Die Schlafentwicklung ist ein natürlicher Prozess, der von vielen anderen Faktoren abhängt, wie zum Beispiel Schlafhygiene, Umwelt und Interaktion zwischen Eltern und Kind.
Nächtliches Aufwachen ist also kein Problem, das sich über die Flasche lösen lässt.
Warum das Abgewöhnen so schwer ist
Die Flasche erfüllt zwei Aufgaben gleichzeitig: Sie stillt Hunger und sie beruhigt. Wer sie streicht, nimmt beides weg. Deshalb funktioniert es selten, sie einfach wegzulassen. Der Ersatz für das Einschlafritual muss vorher stehen.
Bewährt hat sich, die Flasche schrittweise aus dem Bett zu verlegen. Erst wird sie im Sitzen und vor dem Zubettgehen gegeben. Später wandert sie ganz zur Mahlzeit. Getränke wandern dabei in den offenen Becher.
Der offene Becher ist also der praktische Ausweg. Wie deutlich Fachstellen von der Flasche als Einschlafhilfe abraten, zeigt der nächste Punkt.
Was das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt
Die Handlungsempfehlungen sind an dieser Stelle ungewöhnlich deutlich: Dauernuckeln und die Flasche als Einschlafhilfe sollen unbedingt vermieden werden. Getränke gehören von Beginn an in Becher oder Tasse.
Die Zahnärztlichen Mitteilungen weisen zusätzlich darauf hin, dass anhaltendes Saugen an Flasche oder Trinkschnabel die Umstellung auf das reife Schluckmuster verzögert. Der Rat gilt also doppelt: für die Zähne und für die Mundentwicklung.
- Gespräch mit Prof. Ulrich Schiffner.
- Zahnärztliche Mitteilungen, Trinken aus dem offenen Becher.
- Netzwerk Gesund ins Leben, Handlungsempfehlungen 2024.
- Zitat aus dem Interview mit Christina Hahnewald, Dipl. oec. troph. (FH).
Stand: September 2026. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.






