Mit dem Beikoststart rückt ein Thema in den Vordergrund, das vorher kaum eine Rolle spielte: die Zähne. Etwa im selben Zeitraum bricht der erste Milchzahn durch, und plötzlich trifft das, was auf dem Teller liegt, auf Zahnschmelz.
Genau in dieser Phase stellt sich die Frage nach dem Fluorid neu. Bis dahin gab es meist eine Tablette zusammen mit Vitamin D. Ab dem ersten Zahn kommt die Zahnpasta ins Spiel, und damit beginnt für viele Familien die Verwirrung.
Der Grund ist bekannt: Aus der Kinderarztpraxis hören Eltern häufig, sie sollen die Tablette weitergeben. Aus der Zahnarztpraxis hören sie, sie sollen mit fluoridhaltiger Zahnpasta beginnen. Wer beides hört, macht im Zweifel beides gleichzeitig, und genau das ist die einzige Variante, die tatsächlich problematisch ist.
Prof. Dr. Ulrich Schiffner löst den vermeintlichen Widerspruch auf. Er ist Zahnarzt und gehört dem Beirat der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnmedizin an. Zu Kariesprävention und Fluoridierungskonzepten ist er weiterhin in Forschungsprojekte am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf eingebunden und gehört zum Autorenkreis der Deutschen Mundgesundheitsstudien.
Es gibt längst eine gemeinsame Empfehlung
Der wichtigste Punkt zuerst: Kinderärzte und Zahnmediziner haben sich auf eine gemeinsame Linie geeinigt. Die steht in den Handlungsempfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben.
Antwort von Prof. Dr. Ulrich Schiffner
Diese sind gemeinsam von Zahnmedizinern und Kinderärzten verfasst worden, und weitere für die Zahngesundheit von Kleinkindern wichtige Institutionen haben ebenfalls zugestimmt. Ein zentrales Anliegen der Empfehlungen war und ist die gemeinsame Sprache mit einheitlichen Empfehlungen für die Eltern.
Wenn dir vor Ort trotzdem Widersprüchliches gesagt wird, liegt das nicht an unterschiedlichen Leitlinien. Prof. Schiffner formuliert das deutlich: Solche Aussagen erfolgen dann nicht auf dem Boden der aktuellen Empfehlungen.
Die Empfehlung lässt sich in drei Zeitabschnitte gliedern, und nur einer davon lässt überhaupt eine Wahl.
Diese drei Abschnitte lohnt es sich im Detail anzuschauen.
Was konkret empfohlen wird
Die Empfehlung lässt sich in drei Zeitabschnitte gliedern, und nur einer davon lässt überhaupt eine Wahl.
Antwort von Prof. Dr. Ulrich Schiffner
Die Empfehlungen sehen die tägliche Gabe von Fluorid als Tablette in Kombination mit Vitamin D ab Geburt vor. Sobald aber der erste Milchzahn in die Mundhöhle durchgebrochen ist, kann mit der Verwendung einer Kinderzahnpasta mit 1000 ppm Fluorid begonnen werden. Alternativ kann bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres auch die Gabe von Fluoridtabletten fortgesetzt werden.
Ab dem ersten Geburtstag wird dann alternativlos das zweimal tägliche Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid empfohlen. Bis zum Alter von 2 Jahren soll eine geringe Zahnpastamenge, die der Größe eines Reiskorns entspricht, auf die Zahnbürste aufgetragen werden. Nach dieser Zeit soll eine erbsengroße Menge verwendet werden.
Vor dem ersten Zahn gibt es also nur einen Weg, nämlich die Tablette. Ab dem ersten Geburtstag gibt es ebenfalls nur einen Weg, nämlich die Zahnpasta. Offen ist allein die Spanne dazwischen, meist zwischen dem sechsten und zwölften Monat.

Der eine Punkt, bei dem Eltern etwas falsch machen können
Wer zwei widersprüchliche Empfehlungen hört, macht im Zweifel beides. Bei Fluorid ist genau das die falsche Lösung.
Antwort von Prof. Dr. Ulrich Schiffner
Zu einer gleichzeitigen Gabe von Fluoridtabletten und der Verwendung einer fluoridhaltigen Kinderzahnpasta darf es nicht kommen.
In der Zwischenphase entscheidest du dich also für eine der beiden Varianten. Entweder Tablette weiter und mit fluoridfreier Zahnpasta putzen, oder mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen und die Vitamin-D-Gabe ohne Fluorid fortsetzen. Welche der beiden, klärst du am besten gemeinsam mit Kinderarztpraxis und Zahnarztpraxis ab.
Aus zahnmedizinischer Sicht gibt es dabei eine klare Präferenz. Prof. Schiffner nennt die Anwendung fluoridhaltiger Zahnpasta ab dem ersten Milchzahn eindeutig bevorzugt, in Übereinstimmung mit internationalen Leitlinien.
Entscheidend ist, die genannten Mengen nicht zu überschreiten. Sie sind laut Prof. Schiffner so sicher gewählt, dass später auch ein drittes Putzen in der Kita mit fluoridhaltiger Zahnpasta bedenkenlos möglich ist.
Wer zwei widersprüchliche Empfehlungen hört, macht im Zweifel beides.
Wie es zu diesen unterschiedlichen Empfehlungen überhaupt kommen konnte, lässt sich gut nachvollziehen.
Warum die Empfehlungen überhaupt auseinandergingen
Antwort von Prof. Dr. Ulrich Schiffner
Die unterschiedlichen Empfehlungen sind historisch bedingt. In der Zeit vor den gemeinsamen Handlungsempfehlungen standen die publizierten Meinungen von Kinderärzten und Zahnmedizinern in deutlich krasserem Widerspruch. Im Vergleich hierzu sind die derzeitigen Empfehlungen, die auf Basis der zwischenzeitlich erlangten Kenntnisse über die Wirkungsweise von Fluorid basieren, ein großer Fortschritt.
Das erklärt, warum ältere Ratgeber und Erfahrungsberichte von Eltern größerer Kinder oft etwas anderes sagen. Sie geben den Stand von damals wieder, nicht den von heute.
Ab wann und wie du putzen solltest
Beim Zeitpunkt gibt es keine Abstufung: geputzt wird ab dem ersten Zahn. Prof. Schiffner widerspricht dabei einer verbreiteten Annahme.
Antwort von Prof. Dr. Ulrich Schiffner
Nicht selten wird von den Eltern die Ansicht vertreten, das Putzen sei bei Milchzähnen weniger wichtig, weil diese später ja wieder ausfallen. Diese Meinung ist falsch, da ein gesundes Milchgebiss eine hohe Bedeutung für ein gesundes Aufwachsen der Kinder in Bezug auf die körperliche und psychische Entwicklung, aber auch für die Sprachentwicklung hat.
Beim Wie kann er dich beruhigen. Auf eine bestimmte Putztechnik kommt es bei Kindern heute weniger an als früher gedacht.
Antwort von Prof. Dr. Ulrich Schiffner
Von Bedeutung ist vielmehr, dass die Zähne regelmäßig, bei Kleinkindern zweimal täglich, gründlich geputzt werden und dass dabei wirklich alle zugänglichen Zahnoberflächen erreicht werden.
Wie sich das mit der Ernährung deines Babys verbindet, zeigt der nächste Abschnitt.
Was das mit dem Essen zu tun hat
Für uns ist dieser Teil der wichtigste, weil er direkt an die Beikost anschließt. Prof. Schiffner stellt die Ernährung auf eine Stufe mit Putzen und Fluorid.
Antwort von Prof. Dr. Ulrich Schiffner
Es sei hinzugefügt, dass für die Kariesvorbeugung eine gesunde Ernährung einen ebenso hohen Stellenwert hat wie das Zähneputzen oder Fluoridierungsmaßnahmen. Bei häufigen Kontakten der Kinderzähne mit zuckerhaltigen Getränken oder Nahrungsmitteln ist das Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta besonders wichtig. Das trifft auch zu, wenn das Kleinkind über längere Phasen gestillt wird.
Der letzte Satz wird leicht missverstanden, deshalb ausdrücklich: Das ist kein Argument gegen längeres Stillen. Es heißt, dass in dieser Zeit konsequent geputzt werden muss, nicht dass abgestillt werden müsste.
Für die Kariesentstehung zählen zwei Dinge unabhängig voneinander: wie viel Zucker aufgenommen wird und wie oft. Ein gelegentliches Stück Obst ist deshalb etwas anderes als ein über Stunden genuckelter Säftebecher.
Was du daraus mitnehmen kannst
Vor dem ersten Zahn gibt es die Fluoridtablette zusammen mit Vitamin D. Ab dem ersten Geburtstag wird zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta geputzt, bis zwei Jahre reiskorngroß, danach erbsengroß.
Dazwischen entscheidest du dich für genau einen der beiden Wege, niemals für beide gleichzeitig. Sprich diese Entscheidung mit deiner Kinderarztpraxis und deiner Zahnarztpraxis ab, dann zieht ihr an einem Strang.
- Die Zitate stammen wortgetreu aus der schriftlichen Auskunft von Prof. Dr. Ulrich Schiffner an die Redaktion von baby-led-weaning.de. Er ist Zahnmediziner mit Schwerpunkt Kinderzahnheilkunde.
- Grundlage der genannten Empfehlungen sind die Handlungsempfehlungen zur Kariesprävention im Säuglings- und frühen Kindesalter des Netzwerks Gesund ins Leben.
- Ergänzend: Statement der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnmedizin zur Sicherheit fluoridhaltiger Kinderzahnpasten sowie das von Prof. Schiffner verfasste DGKiZ-Statement „Intelligenz wird durch Fluorid nicht niedriger“.
Stand: September 2026. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder zahnärztliche Beratung.




