Schnabeltasse, Trinklernbecher oder gleich der offene Becher? Die Antwort fällt eindeutiger aus, als die Regalauswahl vermuten lässt. Und sie passt gut zum Baby-Led-Weaning.
Warum der offene Becher zum BLW passt
Beim Baby-Led-Weaning führt dein Baby das Essen selbst zum Mund und bestimmt Tempo und Menge. Beim Trinken gilt dasselbe. Ein offener Becher verlangt genau die Fähigkeiten, die dein Baby ohnehin gerade übt: greifen, halten, dosieren, den Kopf richtig neigen.
Eine Schnabeltasse nimmt ihm diese Arbeit ab. Das Kind saugt, statt zu trinken, und das ist ein anderer Vorgang.
Was beim Nuckeln im Mund passiert
Babys kommen mit einem Saugmuster zur Welt. Im Lauf des ersten Jahres soll es sich zum erwachsenen Schluckmuster umstellen, bei dem die Zungenspitze am Gaumen anliegt. Die Zahnärztlichen Mitteilungen beschreiben, was passiert, wenn dieser Wechsel ausbleibt: Schnabeltassen, Trinklernbecher und ähnliche Aufsätze drücken die Zunge nach unten, sodass sie ihre Position weder in Ruhe noch beim Schlucken einnehmen kann. Das unreife Saugmuster bleibt bestehen.
Logopädische Fachstellen weisen auf die Folgen hin: Liegt die Zunge dauerhaft unten, kann das die Mundmotorik, die Nasenatmung und die Kieferentwicklung beeinträchtigen. Deshalb warnen Zahnärzte und Logopäden vor dem längeren Gebrauch harter Schnabelaufsätze.
Das Kind saugt, statt zu trinken, und das ist ein anderer Vorgang.
Der zweite Grund sind die Zähne
Ein Becher wird ausgetrunken und weggestellt. An einer Tasse mit Ventil kann ein Kind ständig nuckeln, oft über Stunden. Die Zähne werden dabei dauerhaft umspült. Bei zuckerhaltigen Getränken führt das zu Karies an den Schneidezähnen.
Wir haben Prof. Dr. Ulrich Schiffner, Zahnmediziner am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, dazu befragt:
Antwort von Prof. Dr. Ulrich Schiffner
Es sei hinzugefügt, dass für die Kariesvorbeugung eine gesunde Ernährung einen ebenso hohen Stellenwert hat wie das Zähneputzen oder Fluoridierungsmaßnahmen. Bei häufigen Kontakten der Kinderzähne mit zuckerhaltigen Getränken oder Nahrungsmitteln ist das Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta besonders wichtig.
Quelle: Fluorid im ersten Lebensjahr: Was wirklich gilt
BLW GrundlagenWasser für Babys: Ab wann, und warum die übliche Regel bei BLW nicht passtWelches Gefäß sich eignet
Am besten ein kleiner, dünnwandiger offener Becher, den dein Baby mit beiden Händen umfassen kann. Die Zahnärztlichen Mitteilungen empfehlen ausdrücklich Tasse, Glas oder dünnwandigen Becher, sobald feste Nahrung dazukommt.
Ein echtes Glas gehört in den ersten Monaten nicht in Babyhände, es kann zerbrechen. Becher mit rundum offenem Trinkrand sind eine brauchbare Zwischenlösung für unterwegs, weil sie nicht zum Saugen zwingen. Harte Schnabelaufsätze lassen sich überspringen.
So klappt der Anfang
Füll nur einen Fingerbreit Wasser ein. Dann ist die Pfütze klein, wenn der Becher kippt, und dein Baby kann ihn leichter heben. Stell ihn zu jeder Mahlzeit dazu, auch wenn nichts getrunken wird.
Voraussetzung ist eine stabile Sitzposition, wie sie auch beim Essen gilt. Mehr dazu in Hochstuhl für Baby-led Weaning. Und erwarte anfangs kein Trinken, sondern Kleckern. Das Greifen mit zwei Händen gelingt lange vor dem gezielten Pinzettengriff.
Häufige Fragen zum Becher
Ab wann kann ich den Becher anbieten?
Sobald dein Baby feste Nahrung bekommt. Wie viel es dann tatsächlich trinken sollte, steht in Wasser für Babys.
Wir nutzen schon eine Schnabeltasse. Ist das jetzt ein Problem?
Nein. Kritisch ist der dauerhafte Gebrauch über Monate, nicht die gelegentliche Nutzung. Spätestens im zweiten Lebensjahr sollten Getränke aber konsequent aus Becher oder Tasse kommen.
Mein Baby kippt den Becher nur um. Mache ich etwas falsch?
Nein, das gehört dazu. Trinken aus einem offenen Gefäß ist motorisch anspruchsvoll und braucht Wochen. Wenig einfüllen und ruhig bleiben hilft mehr als ein Wechsel zurück zur Flasche.
Was du daraus mitnehmen kannst
Der offene Becher ist kein späterer Schritt, sondern der erste. Er passt zum BLW, unterstützt die Mundentwicklung und verhindert das Dauernuckeln. Stell ihn einfach dazu und lass dein Baby üben.
- Gespräch mit Prof. Ulrich Schiffner.
- Zahnärztliche Mitteilungen, Trinken aus dem offenen Becher.
- Netzwerk Gesund ins Leben, Handlungsempfehlungen 2024.
Stand: September 2026. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.





