„Wie machst du das auf Langstrecke?“ Diese Frage bekomme ich fast immer, wenn ich von unseren Reisen erzähle. Dahinter steckt meist eine andere: Muss ich für den Flug doch wieder auf Gläschen umsteigen?
Meine Antwort: nein. Ich bin mit meinen Kindern mehrfach Langstrecke geflogen, meist mit Lufthansa, und wir sind dabei beim breifreien Essen geblieben. Was sich ändert, ist nicht das Essen, sondern die Umgebung.
Die Sicherheitskontrolle ist einfacher als gedacht
Hier sind die meisten Eltern unsicher, dabei ist die Regel eindeutig. Babynahrung ist EU-weit von der 100-Milliliter-Grenze ausgenommen. Das bestätigen sowohl die Bundespolizei als auch die EU-Kommission. Bedingung ist nur, dass du sie während der Reise brauchst.
Ein Detail hat mich am Anfang überrascht: Als Flüssigkeit zählt an der Kontrolle nicht nur Wasser. Joghurt, Nussmus, Honig und Pudding gehören ebenfalls dazu. Genau die Dinge also, die du beim breifreien Essen gern mitnimmst. Dank der Ausnahme für Babynahrung ist das trotzdem kein Problem.
Feste Sachen sind ohnehin unkritisch. Gemüsesticks, Brot, Frikadellen oder Obst gelten gar nicht erst als Flüssigkeit.
Ich melde alles trotzdem aktiv an und packe es obenauf, damit ich es nicht erst herauskramen muss. Das erspart Diskussionen und Zeit.
Eine Einschränkung solltest du kennen: Steigst du außerhalb der EU um, etwa in Dubai oder Istanbul, können dort andere Regeln gelten. Das lohnt sich vorher zu prüfen.
Das Babybettchen bringt mehr als nur einen Schlafplatz
Auf Langstrecke gibt es für Babys bis zu einem bestimmten Gewicht ein Bettchen, das an der Trennwand befestigt wird. Man muss es vorab reservieren, und die Plätze sind begrenzt.
Der eigentliche Gewinn ist für mich aber ein anderer: Diese Reihe hat keinen Vordersitz und dadurch deutlich mehr Platz. Die Wickeltasche, die Brotdose und das Lätzchen müssen nicht unter den Sitz gequetscht werden. Beim Essen macht das den Unterschied zwischen entspannt und chaotisch.
Wenn dein Baby gerade schläft, hast du im Bettchen zusätzlich eine Ablage in Griffweite.
Was ich im Handgepäck dabeihabe
Meine Auswahl richtet sich danach, was acht Stunden übersteht und nicht tropft. Bewährt haben sich bei uns weich gegarte Gemüsesticks, Vollkornbrot, Reisbällchen, weiche Frikadellen und Obst mit fester Schale wie Banane.
Dazu kommt ein Silikonlätzchen mit Auffangschale, weil es sich klein zusammenrollen lässt, und deutlich mehr Feuchttücher, als ich für nötig halte. Feuchttücher zählen übrigens nicht als Flüssigkeit.
Was ich nicht mehr mitnehme: alles, was zerdrückt am Boden landen kann und dort schwer wieder wegzubekommen ist.
Was sich ändert, ist nicht das Essen, sondern die Umgebung.
Diese Umgebung sieht an Bord ziemlich anders aus als zu Hause.
Essen auf dem Klapptisch
Der Tisch im Flugzeug ist klein und wackelig, und dein Sitznachbar ist näher als jeder Gast am Familientisch. Ich gebe deshalb weniger auf einmal und lege nach, statt alles gleichzeitig hinzustellen.
Eine Unterlage oder ein großes Tuch auf dem Schoß fängt einiges ab. Perfekt sauber wird es nicht, das gehört beim selbstständigen Essen dazu.
Beim Start und bei Turbulenzen bleibt das Essen weg. In diesen Phasen stillen wir oder es gibt die Flasche, das hilft auch gegen den Druck auf den Ohren.
Was es an Bord gibt
Ein Kindermenü kannst du vorab bestellen. Es ist allerdings selten das, was ein Baby beim breifreien Essen braucht, oft ist es sehr salzig oder püriert.
Aus der normalen Bordverpflegung lässt sich dagegen einiges verwenden: gekochtes Gemüse als Beilage, Brot, weiche Nudeln, Obst. Ich schaue mir an, was auf meinem eigenen Tablett liegt, und gebe weiter, was passt.
Der Rhythmus verschiebt sich
Auf Langstrecke passen die Essenszeiten an Bord selten zu den gewohnten Zeiten zu Hause. Ich halte mich nicht mehr daran fest. Wenn mein Kind schläft, lasse ich es schlafen, auch wenn gerade das Essen kommt.
Milchmahlzeiten sind unterwegs wichtiger als feste Nahrung. Sie decken den Bedarf zuverlässig, während beim festen Essen ohnehin meist wenig ankommt.
Und wenn es doch Brei wird?
Dann ist das in Ordnung. Ich habe auf Reisen schon Gläschen dabeigehabt, einfach weil es die einfachere Lösung war.
Baby-led Weaning ist kein Regelwerk, das du nicht unterbrechen darfst. Warum Brei und BLW sich nicht ausschließen, habe ich in einem eigenen Artikel beschrieben: Bedeutet Baby-led Weaning, dass kein Brei erlaubt ist?
Mein Fazit nach mehreren Langstrecken
Vor dem ersten Flug hatte ich mehr Respekt davor als nötig. An der Sicherheitskontrolle gibt es eine klare Regel für Babynahrung, an Bord findet sich fast immer etwas Passendes, und der Sitzplatz mit Babybettchen schafft den Platz, den du beim Essen brauchst.
Unterwegs essen wir unordentlicher und zu anderen Zeiten als zu Hause. Das ist kein Rückschritt, sondern schlicht die Situation. Zu Hause sind wir jedes Mal innerhalb weniger Tage wieder im gewohnten Rhythmus.
Wenn du unsicher bist: Plane das Essen für den Flug so, wie du es auch für einen langen Ausflug packen würdest. Mehr braucht es nicht.
Stand: August 2026. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.



