Vitamin D bekommt euer Baby im ersten Jahr täglich zusätzlich, als Tropfen oder als Tablette. Es ist der eine Nährstoff, den die Beikost nicht liefern kann. Warum das so ist und was dabei schiefgehen kann.
Warum Essen hier nicht reicht
Den größten Teil seines Vitamin D bildet der Körper selbst, in der Haut unter Sonnenlicht. Bei Säuglingen funktioniert das kaum: Sie sollen aus Gründen des Hautschutzes gerade nicht in die direkte Sonne. Gleichzeitig enthält Muttermilch nur wenig Vitamin D, und auch Säuglingsnahrung deckt den Bedarf nicht vollständig.
Vitamin D ist der eine Punkt, an dem Beikost nichts ausrichtet.
Aus dem Essen kommt ebenfalls kaum etwas. Nennenswerte Mengen stecken fast nur in fettem Seefisch, also in einem Lebensmittel, das im ersten Jahr ohnehin selten auf dem Teller landet. Deshalb steht Vitamin D auch nicht in unserem Lebensmittel-Tool: Es wäre irreführend, so zu tun, als ließe es sich über die Auswahl der Beikost steuern.
Was empfohlen wird
Die Fachgesellschaften empfehlen für alle Säuglinge täglich 400 bis 500 Internationale Einheiten Vitamin D, das entspricht 10 bis 12,5 Mikrogramm. Die Gabe beginnt am Ende der ersten Lebenswoche.
Sie endet nicht am ersten Geburtstag, sondern mit dem zweiten erlebten Frühsommer. Je nach Geburtszeitpunkt sind das etwa 12 bis 18 Monate. Ein im Herbst geborenes Kind bekommt das Präparat also deutlich länger als ein im Frühjahr geborenes. Diese Regel wird häufig missverstanden, weil viele mit dem ersten Geburtstag aufhören.
Maßgeblich ist in Deutschland die Leitlinie zur Vitamin-D-Mangel-Rachitis, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.
Wogegen es schützt
Vitamin D sorgt dafür, dass Calcium aus dem Darm aufgenommen und in die Knochen eingebaut wird. Fehlt es über längere Zeit, bleiben die Knochen weich und können sich verformen. Diese Erkrankung heißt Rachitis. Sie ist heute in Deutschland selten: genau deshalb, weil die Prophylaxe flächendeckend gegeben wird.
Die Kombination mit Fluorid
In der Praxis gibt es das Präparat als Tropfen oder Tablette. Verordnet wird meist kein reines Vitamin D, sondern eine Kombination mit Fluorid zur Kariesvorbeugung. Prof. Dr. Ulrich Schiffner, Zahnmediziner am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, hat uns den Ablauf erklärt:
Antwort von Prof. Dr. Ulrich Schiffner
Die Empfehlungen sehen die tägliche Gabe von Fluorid als Tablette in Kombination mit Vitamin D ab Geburt vor. Sobald aber der erste Milchzahn in die Mundhöhle durchgebrochen ist, kann mit der Verwendung einer Kinderzahnpasta mit 1000 ppm Fluorid begonnen werden.
Quelle: Fluorid im ersten Lebensjahr: Was wirklich gilt
Wichtig ist dabei der Wechsel: Sobald mit fluoridhaltiger Zahnpasta geputzt wird, darf die Fluoridtablette nicht parallel weiterlaufen. Das Vitamin D bleibt, das Fluorid wechselt die Form. Wie das genau abläuft, steht im Fluorid-Artikel.
Zwei Sonderfälle
Fluoridreiches Wasser. Wird zur Zubereitung von Säuglingsnahrung Wasser mit 0,3 Milligramm Fluorid pro Liter oder mehr verwendet, soll Vitamin D ohne Fluoridzusatz gegeben werden. Der Gehalt steht auf dem Etikett von Mineralwasser, mehr dazu in Babywasser, Wasserfilter, Sprudel.
Frühgeborene. Sie erhalten bis zu einem Gewicht von etwa drei Kilogramm reines Vitamin D ohne Fluorid. Was beim Beikoststart mit einem Frühchen sonst noch anders ist, erklärt Prof. Frank Jochum im Interview.
Wenn ihr einen Tag vergesst
Das ist unkritisch. Vitamin D wird im Körper gespeichert, die Vorräte reichen über mehrere Wochen. Ein paar ausgelassene Tage gleichen sich also von selbst aus.
Was ihr nicht tun solltet: die vergessene Dosis nachholen und am nächsten Tag die doppelte Menge geben. Weitermachen wie gewohnt ist richtig. Genau dieses Nachholen ist einer der Wege, auf denen es zu unbeabsichtigten Überdosierungen kommt.
Das eigentliche Risiko ist die Verwechslung
Die Prophylaxedosis ist sehr sicher. Eine versehentlich doppelte Gabe ist unkritisch, bedenkliche Mengen liegen um ein Vielfaches höher.
Nicht die Dosis ist das Risiko, sondern das falsche Präparat.
Gefährlich wird es an anderer Stelle: Der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft werden regelmäßig unbeabsichtigte Überdosierungen bei Kindern gemeldet. Ursache ist meist eine Verwechslung von Präparaten: etwa wenn hochdosierte Tropfen für Erwachsene wie das Kinderpräparat dosiert werden. Haltet euch deshalb genau an das verordnete Präparat und gebt kein zusätzliches Vitamin D aus der Drogerie dazu. Alles andere läuft dagegen über den Teller, Eisen zum Beispiel.
- Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie (DGKED) und Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ): S1-Leitlinie Vitamin-D-Mangel-Rachitis, AWMF-Registernummer 174/007, Version 3.0, Juni 2022.
- Netzwerk Gesund ins Leben: Handlungsempfehlungen, Nährstoffsupplemente im 1. Lebensjahr.
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Nährstoffergänzung im ersten Lebensjahr.
- Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ): Meldungen zu unbeabsichtigten Vitamin-D-Überdosierungen bei Kindern, Arzneiverordnung in der Praxis.
- Gespräch der Redaktion mit Prof. Dr. Ulrich Schiffner, Zahnmediziner am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, autorisiert.
Stand: September 2026. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.






