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Saft für Babys im ersten Jahr

Warum Kinderärzte im ersten Lebensjahr von Fruchtsaft abraten, was „ohne Zuckerzusatz“ wirklich heißt und weshalb Saft dem BLW-Gedanken widerspricht.

Saft für Babys im ersten Jahr

Saft im Becher: Im ersten Jahr hat er dort nichts zu suchen.

Saft wirkt harmlos: Obst, verdünnt, ohne Zuckerzusatz. Genau deshalb landet er früher im Becher, als er sollte. Und ausgerechnet beim Baby-Led-Weaning arbeitet er gegen alles, worum es geht.

Im ersten Jahr gehört Saft nicht in den Becher

Die Amerikanische Akademie für Kinderheilkunde empfiehlt seit 2017, Säuglingen im ersten Lebensjahr gar keinen Fruchtsaft zu geben. Vorher hatte sie ihn ab dem sechsten Monat für vertretbar gehalten. Der Grund für die Änderung: Ein ernährungsphysiologischer Vorteil ließ sich nicht belegen, die Nachteile dagegen schon.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin warnt vor zu viel Saft im Kindesalter und nennt als Folgen Milchzahnkaries und Übergewicht.

Warum „ohne Zuckerzusatz“ nichts bedeutet

Die Angabe heißt rechtlich nur, dass kein Zucker zugesetzt wurde. Über den fruchteigenen Zucker sagt sie nichts. Ein Apfelsaft kommt auf einen ähnlichen Zuckergehalt wie viele Süßgetränke, ganz ohne Zusatz.

Hermann Josef Kahl vom wissenschaftlichen Beirat des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte hat darauf hingewiesen, dass auch Produkte mit dem Hinweis „ohne Zuckerzusatz“ reichlich natürlichen Zucker enthalten können. Wer wissen will, was drin ist, schaut nicht auf die Werbung vorne, sondern auf den Gesamtzucker in der Nährwerttabelle.

Ein Apfelsaft kommt auf einen ähnlichen Zuckergehalt wie viele Süßgetränke, ganz ohne Zusatz.

Was Säure und Zucker mit Milchzähnen machen

Saft bringt beides mit: Zucker als Nahrung für Kariesbakterien und Fruchtsäure, die den Zahnschmelz zusätzlich angreift. Besonders kritisch wird es, wenn ein Kind über längere Zeit daran nuckelt, weil die Zähne dann dauerhaft umspült werden.

Antwort von Prof. Dr. Ulrich Schiffner

Bei häufigen Kontakten der Kinderzähne mit zuckerhaltigen Getränken oder Nahrungsmitteln ist das Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta besonders wichtig.

Quelle: Fluorid im ersten Lebensjahr: Was wirklich gilt

Saft ist der Gegenentwurf zu BLW

Beim Baby-Led-Weaning greift dein Baby ein Stück Apfel, spürt die Schale, arbeitet mit Kiefer und Zunge und entscheidet selbst, wann Schluss ist. Saft nimmt genau das weg: kein Greifen, kein Kauen, keine Textur, kein Sättigungssignal. Übrig bleibt der süße Geschmack.

Dazu kommt ein praktischer Effekt: Wer sich mit Saft den Bauch füllt, isst und trinkt weniger von dem, was tatsächlich Nährstoffe liefert. Das fällt gerade beim Eisen ins Gewicht, wie in Eisen in der Beikost beschrieben.

Das Vitamin C, das viele im Saft suchen, steckt ohnehin im Obst selbst. Ein paar Stücke Beeren oder Paprika neben der Mahlzeit wirken genauso, nur ohne den Zucker.

Wenn es doch Saft sein soll

Ab dem ersten Geburtstag spricht wenig gegen gelegentliche, stark verdünnte Schorle: etwa ein Teil Saft auf zwei bis drei Teile Wasser. Als Obergrenze für ein Kleinkind gelten rund 120 Milliliter Saft am Tag.

Wichtiger als die Menge sind zwei Regeln: Saft zur Mahlzeit statt über den Tag verteilt, und immer aus dem offenen Becher, nie aus einer Flasche zum Dauernuckeln. Das Standardgetränk bleibt Wasser.

Was du daraus mitnehmen kannst

Im ersten Jahr braucht kein Baby Saft. Danach ist er ein Genussmittel, kein Durstlöscher. Wer früh lernt, dass Wasser das normale Getränk ist, lehnt es später seltener ab. Und beim Obst gilt ohnehin: lieber beißen als trinken.

Quellen

  1. Gespräch mit Prof. Ulrich Schiffner.
  2. American Academy of Pediatrics, Fruit Juice in Infants, Children and Adolescents (2017).
  3. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.
  4. Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.
  5. Netzwerk Gesund ins Leben, Handlungsempfehlungen 2024.

Stand: September 2026. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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Redaktion Baby-led-weaning.de
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