Zu Hause hat es klaglos gegessen. Im Urlaub reicht plötzlich ein Bissen Brot, und der Teller ist für das Kind erledigt. Viele Eltern erschrecken sich in genau diesem Moment und fragen sich, ob mit ihrem Kind etwas nicht stimmt.
Die kurze Antwort vorweg: In den allermeisten Fällen ist das ein ganz normaler Reflex auf eine veränderte Umgebung. Es gibt keinen Grund zur Sorge. Wichtig ist trotzdem, den Unterschied zwischen einer kurzen Delle und einem echten Warnzeichen zu kennen.
Warum der Appetit im Urlaub schwankt
Ein fremdes Bett, ein anderer Tagesablauf, ungewohnte Gerüche in der Küche, möglicherweise eine andere Zeitzone: All das wirkt sich auf ein kleines Kind stärker aus, als Erwachsene es oft vermuten. Aufregung und leichte Überreizung können den Hunger genauso dämpfen wie eine verspätete Mittagsschlaf-Zeit.
Dazu kommt oft schlicht Neuland auf dem Teller. Ein Kind, das zu Hause seine vertrauten Lebensmittel kennt, reagiert im Urlaub manchmal erst einmal zurückhaltend auf alles Unbekannte. Das gilt unabhängig davon, wie lecker es objektiv ist.
Woran du eine harmlose Delle erkennst
PD Dr. Margarete Bolten arbeitet am Ambulatorium der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Luzerner Psychiatrie. Seit über 15 Jahren behandelt sie dort Kinder mit frühkindlichen Fütterstörungen. Uns hat sie beschrieben, woran sich ein echtes Warnzeichen von einer normalen Schwankung unterscheiden lässt.
PD Dr. Margarete Bolten
Warnzeichen sind beispielsweise eine über Monate zunehmende Einschränkung der Lebensmittelauswahl, sehr geringe Nahrungsmengen, fehlende altersentsprechende Entwicklung der Essfertigkeiten, ausgeprägter Stress oder Angst beim Essen, häufiges Würgen oder Erbrechen sowie Auswirkungen auf Wachstum, Nährstoffversorgung oder das Familienleben.
Der entscheidende Unterschied liegt im Wort „über Monate“. Eine Ferienwoche mit kleinerem Appetit erfüllt keines dieser Warnzeichen, solange dein Kind außerhalb des Essens munter, aktiv und interessiert bleibt. Kehrt der übliche Appetit nach der Rückkehr in den Alltag zurück, war es genau das: eine Delle, keine Störung.
Eine Delle im Appetit ist keine Störung.
Was im Urlaub praktisch hilft
Ein bis zwei vertraute Lebensmittel im Gepäck oder am Urlaubsort griffbereit zu haben, nimmt viel Druck aus der Situation. Schmeckt das neue Gericht nicht, gibt es trotzdem etwas Bekanntes, ohne dass daraus eine Diskussion am Tisch wird.
Genauso hilfreich ist es, die Erwartung selbst herunterzuschrauben. Ein Urlaub ist kein guter Zeitpunkt, um besonders viele neue Lebensmittel gleichzeitig durchzuprobieren. Mehr dazu, warum ein grober Fahrplan besser funktioniert als ein starrer Plan, steht im Beitrag Beikostplan bei BLW.
Eine ruhige Sitzsituation trägt übrigens auch zu Hause dazu bei, dass Mahlzeiten entspannter laufen.
Kein Grund, nachzuhelfen
Der Impuls, bei weniger Appetit mit Löffel, Ablenkung oder gutem Zureden nachzuhelfen, ist verständlich, wirkt aber meist gegenteilig. Kinder spüren Druck sehr genau. Druck macht aus einer kurzen Delle leichter ein länger anhaltendes Thema, als die Delle selbst es je gewesen wäre.
Bleibst du gelassen, auch wenn der Teller drei Tage in Folge kaum berührt wird, ist das die beste Voraussetzung. Der Appetit pendelt sich dann von selbst wieder ein, sobald der Alltag zurück ist.
Das Zitat stammt aus dem Gespräch mit PD Dr. Margarete Bolten, Ambulatorium der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Luzerner Psychiatrie, zu frühkindlichen Fütterstörungen, nachzulesen unter Wenn dein Baby nicht essen will. Beikostplan bei BLW: Warum ein Fahrplan besser funktioniert.
- Netzwerk Gesund ins Leben: Handlungsempfehlungen zur Beikost.
- Zitat aus dem Gespräch mit PD Dr. Margarete Bolten, Diplom-Psychologin.
Stand: September 2026. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.






