Baby-Led-Weaning.de Das große Magazin für Baby Led Weaning

Die häufigsten Fehler beim Beikoststart

Wir haben nach den häufigsten Fehlern gefragt. Brigitte Neumann hält die Frage für falsch gestellt.

Die häufigsten Fehler beim Beikoststart

Nicht jeder holprige Beikoststart ist ein Fehler der Eltern.

Wir hatten eine Liste erwartet. Drei Fehler, vielleicht fünf, jeweils mit einer Lösung daneben. Genau danach haben wir gefragt. Die Antwort war eine andere.

Brigitte Neumann ist Diplom-Ökotrophologin und im Referentinnenpool des Netzwerks Gesund ins Leben gelistet. Sie berät zu Beikost und Essenlernen und ist ausgebildet in Motivierender Gesprächsführung, einem Beratungsansatz, der bewusst darauf verzichtet, Menschen zu sagen, was sie falsch machen. Auf unsere Frage nach den häufigsten Fehlern antwortete sie, dass sie das Wort ungern benutzt. Und benannte dann etwas anderes, das aus ihrer Sicht deutlich mehr Schaden anrichtet.

Welche Fehler sehen Sie beim Beikoststart am häufigsten?

Aus meiner Beobachtung würde ich sehr ungern von Fehlern beim Beikoststart sprechen. Wie so oft in der Kindererziehung ist vieles ein Ausprobieren. Manches funktioniert, anderes will nochmal zurück auf Anfang, um im neuen Anlauf besser laufen zu können. Eltern brauchen also eine große Portion Gelassenheit und eine noch größere Portion Klarheit, welches Ziel sie mit dem Start der Beikost verfolgen.

Das Ziel geben eigentlich die Kinder vor. Sie wollen lernen, zu essen wie die Großen. Und sie werden es lernen, wenn sie Nahrung angeboten bekommen und dann selbst entscheiden können, was und wie viel davon sie essen mögen. Sobald ein Baby etwas nicht essen will, hat es dafür einen guten Grund. Der erschließt sich nicht immer, will aber immer ernst genommen werden.

Sobald ein Baby etwas nicht essen will, hat es dafür einen guten Grund.

Was Eltern häufig daran hindert, ihrer Intuition und dem zu folgen, was Kinder wollen, ist eine zunehmende Verunsicherung. Sie gelangen an sehr viele sich widersprechende Informationen, nicht zuletzt über die sozialen Medien.

Welcher davon hat die größten Folgen für den weiteren Verlauf?

Die Verunsicherung der Eltern kann fatale Folgen für den weiteren Verlauf haben. Mit ihr gehen die Gelassenheit und die Klarheit darüber verloren, was das Ziel ist. Sehr leicht kann es dann zu einem Machtkampf rund ums Essen kommen, der weder für Eltern noch für Kinder erfreulich ist.

Was raten Sie Eltern, bei denen schon etwas festgefahren ist?

Zurück auf Anfang. Druck rausnehmen, durchatmen, Geduld haben. Vor vollem Teller ist noch nie ein Kind verhungert. Und Kinder wollen nicht immer alles, was auf dem Teller ist. Vertrauen haben in die Entscheidungsfähigkeit des Kindes, nach dem Motto: Ich biete dir immer wieder an, und du entscheidest, ob und was du essen magst. Aushalten, wenn die Lebensmittelauswahl sehr begrenzt ist. Das Kind wird schon einen guten Grund dafür haben. Nichts erzwingen wollen.

Soweit der sehr pauschale Rat. Ungern gebe ich darüber hinaus allgemein gültige Ratschläge, weil die manchmal mehr Verunsicherung als Sicherheit schaffen. Jedes Familiensystem hat so seine Eigenarten. Was für die eine Familie förderlich ist, kann für die andere eher kontraproduktiv sein.

Hinweis der Redaktion

Frau Neumanns Rat zielt auf den Machtkampf am Tisch, nicht auf medizinische Probleme. Beides sieht am Anfang ähnlich aus. Wenn dein Kind dauerhaft die Nahrungsaufnahme verweigert, an Gewicht verliert oder nicht zunimmt, wenn es sich beim Essen häufig verschluckt oder würgt, oder wenn die Auswahl an akzeptierten Lebensmitteln immer weiter schrumpft, dann ist das kein Fall für mehr Geduld. Sprich in diesen Fällen deine Kinderarztpraxis an.

Was wir daraus mitnehmen

Ihre Antwort trifft auch uns. Eine Seite wie diese lebt davon, Fragen zu beantworten, und jede Antwort ist eine weitere Stimme in dem Chor, der Eltern nach ihrer Beschreibung die Gelassenheit nimmt. Wir halten es trotzdem für richtig, gute Informationen bereitzustellen. Aber ihr Einwand verändert, wie wir sie schreiben wollen.

Wenn ein Baby ein Lebensmittel liegen lässt, ist die nützlichste Information selten die nächste Zubereitungsvariante. Sie lautet, dass Ablehnen zum Lernen gehört und dass niemand daran schuld ist. Diesen Satz findet man in kaum einem Beikost-Ratgeber, weil er sich schlecht in eine Liste schreiben lässt.

Quellen

  1. Die Antworten auf die drei Fragen stammen aus der schriftlichen Auskunft von Brigitte Neumann an die Redaktion von baby-led-weaning.de.

Stand: August 2026. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

Etwas entdeckt? Wir möchten unsere Inhalte aktuell und zuverlässig halten. Fehler melden.

Redaktion Baby-led-weaning.de
Brigitte Neumann
Antworten von Brigitte Neumann
Das Magazin PLATZHALTER: Infos über baby-led-weaning.de

Das könnte dich auch interessieren

Neurodermitis: Beikost nicht weglassen
BLW Grundlagen Neurodermitis: Beikost nicht weglassen Ein Allergologe erklärt, warum vorsorgliches Weglassen von Milch, Ei und Weizen bei Neurodermitis kontraproduktiv sein kann.