Babywasser im Drogeriemarkt, Tischfilter in der Küche, Sprudel aus dem Automaten: Rund ums Trinkwasser für Babys wird viel verkauft. Das meiste davon braucht ihr nicht. Von einem Produkt raten Verbraucherschützer sogar ausdrücklich ab.
Leitungswasser ist der Maßstab, nicht die Notlösung
Trinkwasser gehört in Deutschland zu den am strengsten überwachten Lebensmitteln. Die Verbraucherzentrale hält es überall im Land für gut bis sehr gut. Das gilt für die Zubereitung von Säuglingsmilch ebenso wie für das Getränk nach dem Beikoststart.
Zwei Einschränkungen gibt es. Stand das Wasser länger als drei Stunden in der Leitung, etwa nach der Nacht oder einem Arbeitstag, lohnt sich ein kurzer Griff zum Hahn. Lass es laufen, bis es frisch und kalt kommt. Prüfe außerdem die Leitungen. Häuser, die nach 1973 gebaut wurden, haben keine Bleirohre. Bei einem Hausbrunnen ist eine Untersuchung nötig, bei öffentlicher Versorgung nicht. Der Versorger muss die Werte ohnehin herausgeben.
Wasserfilter: nicht nützlich, sondern riskant
Hier ist die Empfehlung ungewöhnlich klar. Die Verbraucherzentrale rät ausdrücklich davon ab, Wasserfilter für Babys zu verwenden: Sie können selbst zu Verunreinigungen beitragen, etwa mit Keimen. Trinkwasser ist ein verderbliches Lebensmittel und verkeimt, wenn es zu lange steht oder mit alten Filterkartuschen in Kontakt kommt.
Die Stiftung Warentest prüfte 2022 acht Wasserfilter und fasste das Ergebnis in drei Worten zusammen: überflüssig bis schädlich.
Trinkwasser ist ein verderbliches Lebensmittel und verkeimt, wenn es zu lange steht.
Trotzdem verkaufen sich Filter gut. Ein Blick auf die Werbeversprechen lohnt sich deshalb.
Was die Werbung verspricht und was davon stimmt
Filterhersteller argumentieren mit Keimen, Nitrat und Blei. Der Filter selbst kehrt dieses Argument aber häufig um. Wird die Kartusche nicht regelmäßig gewechselt, wird sie zum idealen Nährboden für genau die Keime, vor denen sie schützen soll. Die Keimzahl im gefilterten Wasser liegt dann oft höher als im ungefilterten Leitungswasser. Zum Nachrechnen bei den anderen Argumenten: Grenzwertüberschreitungen bei Nitrat sind selten, die meisten Versorger liegen deutlich darunter. Und Blei gehört gerade nicht in einen Tischfilter. Wer alte Leitungen vermutet, lässt das Wasser untersuchen, statt zu filtern.
Begriffe wie Vitalisierung, Energetisierung oder Entschlackung tauchen in der Werbung häufig auf. Dafür gibt es keine wissenschaftliche Grundlage.
BLW GrundlagenWasser für Babys: Ab wann, und warum die übliche Regel bei BLW nicht passtNeben Filtern steht noch ein zweites Produkt regelmäßig im Regal, das denselben Zweck verspricht.
Babywasser: teuer, aber nicht nötig
Als Babywasser verkaufte Produkte sind beim Öffnen keimfrei und halten strengere Grenzwerte ein als normales Mineralwasser: Der Natriumgehalt muss unter 20 Milligramm pro Liter liegen, Nitrat darf 10 Milligramm pro Liter nicht überschreiten. Notwendig sind sie deshalb trotzdem nicht, dieselben Werte gelten für jedes Mineralwasser mit dem Hinweis „zur Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet“. Nach dem Öffnen können sich auch darin Keime vermehren. Die Flasche gehört deshalb in den Kühlschrank. Nach ein bis zwei Tagen muss das Wasser vor der Zubereitung von Säuglingsnahrung abgekocht werden.
Ein Punkt überrascht dabei viele Eltern: Auch frisch geöffnetes Babywasser oder Mineralwasser ist nicht steril. Die Stiftung Warentest rät deshalb, in den ersten Lebenswochen sowohl Leitungswasser als auch Mineral- und Babywasser grundsätzlich abzukochen. Die Kennzeichnung auf der Flasche ändert daran nichts.
Dasselbe gilt für Mineralwasser. Wenn ihr welches nutzt, achtet auf den Hinweis, dass es für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet ist. Wählt außerdem stilles Wasser.
Sprudel fürs Baby?
Kohlensäure ist kein Gesundheitsrisiko, aber für Babys unangenehm und unnötig. Sie prickelt im Mund, kann aufstoßen lassen und führt oft dazu, dass weniger getrunken wird. Stilles Wasser bleibt die einfachste Wahl.
- Verbraucherzentrale, Eignet sich Leitungswasser für Babys.
- Verbraucherzentrale, Wasserfilter.
- Stiftung Warentest, Wasserfilter im Test (2022).
- BZgA, kindergesundheit-info.
- Umweltbundesamt, Rund um das Trinkwasser.
Stand: September 2026. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.





