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Mein Baby trinkt nicht aus dem Becher

Warum Trinken aus dem Becher Wochen braucht, wieso die Menge kein Maßstab ist und wann du genauer hinsehen solltest.

Mein Baby trinkt nicht aus dem Becher

Üben mit dem offenen Becher: Bis es ohne Kleckern klappt, dauert es Jahre.

Der Becher steht da, das Wasser bleibt drin. Viele Eltern fragen sich dann, ob sie etwas falsch machen. Meistens ist die Antwort: nein.

Trinken ist eine eigene Fähigkeit

Aus einem offenen Gefäß zu trinken ist motorisch anspruchsvoll. Dein Baby muss den Becher halten, ihn im richtigen Winkel kippen, den Fluss dosieren und gleichzeitig schlucken. Das ist etwas anderes als saugen, und es braucht Wochen.

In dieser Zeit landet mehr Wasser auf dem Tisch als im Mund. Das ist kein Zeichen von Ablehnung, sondern der normale Verlauf.

Wie lange das wirklich dauert

Die international tätige Beikost-Plattform Solid Starts nennt eine Zahl, die viele Eltern überrascht: Zuverlässig ohne Kleckern trinken Kinder meist erst zwischen zwei und drei Jahren. Gelegentlich danebengehen darf es bis zum dritten Geburtstag.

Wenn dein Baby mit acht Monaten also mehr verteilt als trinkt, liegt es nicht hinter dem Plan. Es ist mitten drin.

Warum die Menge in dieser Phase kein Maßstab ist

Solange Milch die Hauptnahrung ist, ist die Flüssigkeitsversorgung gesichert. Zusätzliches Wasser ist eine Ergänzung, kein Bedarf, der gedeckt werden muss. Als Richtwert reichen im Beikostalter rund 200 Milliliter über den Tag. Selbst die müssen nicht jeden Tag zusammenkommen.

Zusätzliches Wasser ist eine Ergänzung, kein Bedarf, der gedeckt werden muss.

Die Menge ist also selten das eigentliche Thema. Interessanter ist, warum der Becher gerade jetzt auf Widerstand stößt.

Was dahinterstecken kann

Manche Babys mag der Becher schlicht noch nicht interessieren. Andere stört die Temperatur, der Rand oder dass zu viel auf einmal kommt. Ein niedriger Füllstand hilft oft mehr als ein neues Modell.

Die Diplom-Ökotrophologin Brigitte Neumann hat uns zur Verweigerung beim Essen etwas gesagt. Es gilt fürs Trinken genauso:

Antwort von Brigitte Neumann

Sobald ein Baby etwas nicht essen will, hat es dafür einen guten Grund. Der erschließt sich nicht immer, will aber immer ernst genommen werden.

So viel zu den möglichen Gründen. Im Alltag helfen ein paar ganz konkrete Handgriffe mehr als jede Erklärung.

Was hilft, ohne Druck zu machen

Stell den Becher einfach zu jeder Mahlzeit dazu, auch wenn er unberührt bleibt. Trink selbst dabei, sichtbar und in Ruhe. Nachahmung wirkt bei diesem Thema stärker als jede Aufforderung. Füll nur wenig ein, dann ist Kippen folgenlos.

Zwei Kniffe aus der internationalen Beikost-Beratung helfen zusätzlich. Füll wirklich nur wenig ein, etwa 15 Milliliter. Selbst wenn dein Baby den ganzen Inhalt auf einmal in den Mund kippt, überfordert ihn das nicht. Und biete den Becher am Ende der Mahlzeit an, nicht mittendrin. Dann muss dein Baby nicht zwei neue Dinge gleichzeitig lernen.

Als erstes Gefäß eignet sich ein sehr kleiner Becher, etwa in Schnapsglasgröße. Die meisten als Babybecher verkauften Modelle sind dafür zu groß, sie verdecken beim Trinken Augen und Nase.

Lass deinem Baby außerdem die Chance, selbst nach dem Becher zu greifen, statt ihn direkt an den Mund zu führen. Das beschleunigt das Lernen. Und wenn das Kleckern nervt, übt es sich entspannter in der Badewanne oder draußen.

Was du vermeiden solltest: den Becher gegen eine Flasche tauschen, weil daraus mehr ankommt. Das löst das Problem kurzfristig und schafft ein neues.

Auch eine Schnabeltasse mit festem Trinkaufsatz ist keine echte Alternative, auch wenn sie oft so verkauft wird. Das Saugen am Schnabel ähnelt der Bewegung an Brust oder Flasche zu sehr und kann bei dauerhafter Nutzung die Mund- und Kieferentwicklung beeinflussen. Warum der offene Becher hier klar im Vorteil ist, steht ausführlich in Offener Becher statt Schnabeltasse.

Der Strohhalm ist keine Schnabeltasse

Hier lohnt eine Unterscheidung, die im deutschen Handel oft untergeht. Ein Strohhalmbecher ist etwas anderes als eine Schnabeltasse. Am Schnabel saugt dein Baby wie an Brust oder Flasche, die Zunge bleibt unten. Beim Strohhalm dagegen arbeiten Lippen und Zungenspitze aktiv mit, das übt eher das reife Schluckmuster als es zu bremsen.

Internationale Fachstellen für Ess- und Schluckentwicklung empfehlen deshalb, offenen Becher und Strohhalmbecher nebeneinander anzubieten. Beide schulen unterschiedliche Fähigkeiten, keiner ist dem anderen überlegen. Wenn dein Baby den offenen Becher gerade frustriert wegschiebt, ist ein Strohhalm eine sinnvolle Pause, kein Rückschritt. Warum harte Schnabelaufsätze trotzdem ungeeignet bleiben, steht in Offener Becher statt Schnabeltasse.

Wann du genauer hinsehen solltest

Aufmerksam werden solltest du, wenn dein Baby deutlich weniger nasse Windeln hat als sonst, auffällig müde wirkt oder gleichzeitig auch die Milchmahlzeiten verweigert. Bei Fieber, Durchfall oder großer Hitze steigt der Bedarf, und dann gehört die Frage in die kinderärztliche Praxis.

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Redaktion Baby-led-weaning.de
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